Seit vielen Jahren spreche ich täglich mit Menschen über (ihre) Werte.

Als ich vor einigen Jahren den ersten Werte-Workshop moderierte, war mir nicht klar, welche „Reise“ ich damit antrete 🙂 Sicher kennst Du das in Deinem Leben auch. Es kommt ein Impuls von Aussen, Du folgst ihm intuitiv und es entwickelt sich daraus ein Herzensthema.

Den Anfang hat ein damals noch ein kleines Team gemacht, das sich einen Tag Zeit genommen hat, um sich über ihre persönlichen Werte auszutauschen und ein gemeinsames Werte-Verständnis zu erarbeiten. Sie waren gerade über ihre Start-Up-Phase hinausgewachsen und wollten sich bewusst (und in weiser Voraussicht) ihrer Unternehmenskultur zuwenden, um sie miteinander zu leben und nachhaltig für das weitere Wachstum zu etablieren.

Natürlich ist die Idee eines Werte-Leitbildes im Grundsatz nicht neu, doch besonders war, dass es hier nicht um „Hochglanz“-Werte für ein Marketing-Image ging, sondern um Menschen, die sich authentisch und offen darüber austauschten, was sie ausmacht, sie ergänzt, sie verbindet und welche Werte sie bewusst miteinander leben wollen.

Als Begegnungs-Fan war ich begeistert und bin es bis heute. Über Werte zu sprechen verbindet Leichtigkeit mit Tiefgang und es liegt enorm viel Potential für ganzheitlichen Erfolg darin.

Werte sind individuell. So klar sie sind und scheinen, so persönlich ist ihr Verständnis und ihre Wichtigkeit/ ihr Ranking. Und Werte sind zugleich Brücken. Sie lassen uns systemisch in der Gesellschaft, der Familie, unter Freunden, bei der Arbeit, in der Schule, usw. zugehörig fühlen. Jeder von uns weiß, wie tragend und beschwingend es sich anfühlt, wenn wir Menschen treffen, die ein ähnliches Werte-Verständnis haben wie wir selbst. Es macht das Miteinander leicht und fließend und erfolgreich.

Ja und auch die andere Seite kennen wir: wenn Werte nicht (mehr) zusammenpassen, in Spannungsfelder geraten und mangelnde Wert-Schätzung erlebt und zum Thema wird. Manchmal entzünden sich emotionale Auseinandersetzungen und Konflikte daran oder es folgt ein stilles Leiden und Resignieren. In vielen Fällen ist die berufliche oder private Konsequenz missverstandener und verletzter Werte eines Tages die Trennung.

Wie entsteht unser persönlicher Werte-Kanon = unsere individuelle Werte-„Programmierung“? Ich glaube, dass einige Werte unserem natürlichen, authentischen Wesenskern entsprechen. Andere haben wir von klein auf „gelernt“ wie sie gelebt sollten/müssen. Im Lauf der Zeit „überarbeiten“ wir unsere Werte anhand von Erfahrungen über die Jahre immer wieder, doch jeder von uns hat sein Werte-Muster = seine Werte-Überzeugungen und sein Glaubenssystem, nach dem wir Denken und Handeln.

Und wie schön wäre die Welt doch, wenn alle das gleiche Werte-Verständnis hätten. Oder? Vielleicht gäbe es dann weniger Diskussionen 😉 doch würde es vielleicht unsere Individualität auch einschränken?

Auch, wenn es im Alltag nicht immer leicht ist, macht es uns als Gesellschaft nicht reich, wenn wir das darin liegende Potential erkennen, fördern und uns bewusst ergänzen? Und Stopp, persönliche Freiheit und das Leben der eigenen Individualität (Werte) bedeutet in meinem Verständnis nicht automatisch, dass alle Tun und Lassen was sie wollen. Das ist schwarz-weiß gedacht. Ich glaube, dass sie Mehrheit sich für eine wert-volle Gemeinschaft und echten Mehrwert auf tragfähige Werte verständigen kann und möchte. Glaubst Du das auch? Wir Menschen sind soziale Wesen und wünschen uns Verbundenheit mit anderen.

In meinem Erleben steht unsere Gesellschaft in diesem Spannungsfeld und auch in anderen Werte-Verständnissen gerade etwas „Kopf“ und ehrlich gesagt staune ich täglich darüber. Werte scheinen sich mehr als „früher“ gegenseitig zu begrenzen und nebeneinander weniger vereinbar. Sie geraten regelrecht unter Druck. Warum und für was kann das gut sein?

Ich habe den Eindruck, dass wir eine Art „Renaissance“ sprich ein individuelles, sowie gesellschaftliches Werte-Up-Date erleben. Jeder von uns gerät neuerdings immer öfter in Situationen, in denen uns unsere Werte, und das was uns wirklich wichtig ist, bewusst werden. Leider oft auch, indem wir uns an dem Werte-Verständnis anderer reiben.

Betrachten wir es emotionslos und sachlich, ist dieses In-Frage-stellen vielleicht sogar etwas Gutes. Wie sonst wächst Bewusstsein? Auch bedeutet es zunächst nicht, dass klassische und traditionelle Werte „verloren“ gehen.

Ein Up-Date ist im besten Sinn ein Fortschritt. Ja, es ist herausfordernd unser Werte-Verständnis (auch generationenübergreifend miteinander) zu überprüfen und neu zu justieren. Und es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob Du es als Einladung und Chance oder als Notwendigkeit und Zwang empfindest und bewertest.

Dieses neue Weltbild, in dem wir uns alle als Teile des Ganzen begreifen und verstehen ist etwas Großes und wir können aus meiner Sicht etwas sehr Einflussreiches tun, wenn wir damit beginnen und zur Normalität machen, uns zugewandt bewusst über unser persönliches Werte-Verständnis austauschen.

In vielen Gesprächen, ob im Einzelnen oder in Gruppen, habe ich erlebt, wie erhellend und wohltuend dieser wert-volle Austausch ist. Tatsächlich kenne ich, und Du vielleicht auch?, viele Menschen, die in ihren Werten ähnlich sind und aufgrund ihrer Persönlichkeit unterschiedlich handeln. Immer wieder entstehen aufgrund dessen Missverständnisse und emotionale Aufladungen, die nicht sein müssten.

Über Werte zu reden fördert das gegenseitige Verständnis und ein noch besseres Kennenlernen und schon unendlich viele habe ich gehört: „ach so“ oder „na das verstehe ich“ oder „das sehe ich doch ganz ähnlich“ gehört 🙂 Und genau dann, in diesen Momenten zwischen uns, beginnt Wertebewusstsein und damit die Wertschätzung, die wir uns alle wünschen.

Vielleicht reagiert Dein Umfeld zunächst ein wenig erstaunt, wenn Du nach den Werten eines jeden fragst, doch ich möchte Dich dazu ermutigen, es zu probieren. Es kommen dabei sehr interessante Gespräche zustande und gute Erkenntnisse zum Vorschein.

Gesellschaftlich wird es vermutlich noch ein Weilchen dauern, bis der aktuelle „Werte-Kopfstand“ wieder auf den Füßen steht. Und ich persönlich glaube nicht, dass wir ihn beschleunigen, wenn wir Werte unter Druck setzen. Ein Werte-Konsens lässt sich nicht verordnen. Er entsteht über Austausch, gegenseitige Wertschätzung, Verhandlung, Abstimmung, Kompromisse und Toleranz und wir- also Du und ich- können da, wo wir gehen und stehen, für diesen sorgen und ein zeitgemäßes, sinnvolles Werte-Bewusstsein fördern und zu Wert-Schätzung beitragen 🙂

Es wird sich ins Positive wandeln, auch wenn der Spagat zwischen bewahren und verändern gerade knarzt und für jeden aufreibend und mühsam ist.

Um Dich noch gezielter unterstütze zu können, kam mir die Idee ein Herzensfreiheit-Werte-Workbook zu erstellen. Im Sommer wird es (wenn alles nach Plan läuft ;-)) fertig und dann über meine Homepage käuflich sein. Sicher kannst Du Dir vorstellen, wie aufregend ich dieses neue Projekt finde. Auch das kam wieder über einen Impuls von Aussen zu mir… Trag Dich gerne in meinen newsletter ein, dann halte ich Dich auch dazu auf dem Laufenden…

Ich wünsche Dir auch in dieser anspruchsvollen Zeit, jeden Tag wert-volle Minuten mit Dir selbst und anderen verbunden.

Alles Liebe

Antje